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Neuigkeiten

[Suppe für den soul] Wie geht's weiter

Das ist ja mal wieder eine tolle Situation, in der ich mich befinde. Ich schreibe einen Artikel, der sich auf die Veröffentlichung von Freitag Nacht / Samstag Morgen bezieht und heute soll es noch ein weiteres Statement von Upper Deck dazu geben. Mit anderen Worten: Wenn dieser Artikel gegen 11 Uhr online geht, so ist er ca. 5 Stunden später bereits wieder "veraltet". [1]

Die einzige gute Möglichkeit, die ich an dieser Stelle sehe, ist eine Aufarbeitung der bisher bekannten Facts sowie ein Ausblick, der auf die weiteren nun möglichen Entwicklungen eingeht. Fangen wir mit der Aufarbeitung an, bei der ich den perfekten Einstiegspunkt habe:

Den Meisten ist nicht bewusst, dass die fehlenden Infos mit dem fehlendem Vertrag zusammenhängen. Hätte eine andere Info-Strategie geholfen?

Dies ist ein Tweet von darkpact, der am Samstagmorgen raus ging und eben als Reaktion auf einige der empörten Reaktionen hier und da raus geschickt wurde.

Zunächst einmal: Schön, dass es Leute gibt, die so viel Herzblut in ihren Job stecken, dass sie auch am Wochenende arbeiten. [2] Nachdem das gesagt wurde, will ich mich jetzt mal möglichst differenziert mit der Frage auseinander setzen, denn meiner Ansicht nach ist das wirklich eine gute Frage. Spielen wir einfach mal die Optionen durch:

  • Man kommuniziert, dass die Lizenz-Verlängerung ungewiss ist

    Dies würde erstmal in jeder Menge Panik resultieren. Außer man spricht sich mit Blizzard ab, damit diese etwas in der Art posten, was eben im Blizzard-Forum gepostet wurde, um so sicher zu stellen, dass nicht jeder zweite Spieler seine Sammlung instant verkauft.

    Für die Kunden wäre diese Möglichkeit also ohne Absprache wirklich schlecht gewesen, mit Absprache meiner Ansicht nach die mit Abstand beste Vorgehensweise. Für die Firma wäre diese Vorgehensweise so lala gewesen. Einerseits hätten es so einige Spieler zu schätzen gewusst, dass man so ehrlich mit ihnen ist, andererseits sinkt halt das allgemeine Vertrauen in die Firma, was in weniger Verkäufen, usw. resultieren würde.

  • Man kommuniziert nichts und hüllt sich in den Mantel des Schweigens

    Hier muss meiner Ansicht nach unterschieden werden:

    • Fall 1: Die Lizenz wird nach vielen Verhandlungen doch noch verlängert:

      Hier wäre man wohl mit einem blauen Auge davon gekommen. Wir hätten nach dieser nervigen Wartezeit gesagt bekommen, wie es weiter geht, hätten uns noch 8mal beschwert und dann wäre es gut gewesen. Den Ruf, nicht anständig mit den Spielern zu kommunizieren, hatte Upper Deck leider sowieso schon weg, hier hätte man also "kaum etwas verloren".

      Aus Sicht des Kunden wenig toll, aus Sicht der Firma wohl die konsequenteste Vorgehensweise (alles wie gehabt lassen eben).

    • Fall 2: Die Lizenz wird nicht verlängert:

      Und damit sind wir schließlich bei der jetzigen Situation gelandet. Wir haben augenscheinlich jede Menge Vollhonks, die uns eine ganze Zeit lang mit Schwarzmalerei nerven durften und jetzt alle "ich hab's ja gleich gesagt!" raus brüllen. Die Firma steht komplett beschissen da, weil alle Upper Deck Kommentare in die Richtung "nice fail" gehen und nun ja, alles hofft jetzt auf Blizzard und man träumt davon, dass die der große Retter sein werden.

Irgendwie hat bei der jetzigen Vorgehensweise Blizzard die große "Retter-Rolle" eingenommen und UD steht wie der ganz große Verlierer da. Ich weiß ja jetzt nicht, was man sich bei UD gewünscht hat, aber um ehrlich zu sein ist das aus meiner Sicht ein wenig erstrebenswertes Ergebnis. Punkt 1 hätte halt zumindest kudos [3] für die offene Behandlung der Kunden gegeben, was für mich gutes Community Management ist.

Was wird aus Upper Deck?

Damit will ich jetzt mal kurz den Umweg beschreiten und über die Zukunft von UD sinnieren. Solltet ihr es nicht mitbekommen haben, hier eine ganz kleine Zusammenfassung:

  • Man hat den Rechtsstreit gegen Konami verloren und jede Menge Millionen an die Firma abgedrückt, um die Sache außergerichtlich zu klären
  • Die MLB Lizenz wurde nicht verlängert, UD hat aber trotzdem weiter Karten mit MLB Logos, usw. verkauft, wodurch auch hier eine Klage ins Haus flatterte
  • Man hat nun noch die WoW Lizenz verloren

Unter dem Strich bleibt damit Huntik, das tot ist. Dazu dann noch ein paar weitere US Sport-Lizenzen und jede Menge kleinere Lizenzen wie Bakugan, Dino King und was weiß ich nicht noch alles, womit sich die Firma erstmal über Wasser halten kann. Jedoch wird hier wohl auf jeder Ebene runter skaliert werden müssen, zumindest der OP Bereich kann nun komplett abgetreten werden...

Das neue auf der Marvel Lizenz basierende TCG hat damit schon vor Markteinführung einen schweren Stand. Es wird wohl nur auf einem sehr kleinen Level erfolgreich sein können, denn:

  1. KEIN halbwegs erfahrener TCG Spieler wird weiterhin Vertrauen in Upper Deck für den erfolgreichen und langfristigen Vertrieb eines TCGs setzen
  2. Das Spiel wird definitiv ein US only Spiel – abgesehen davon, dass dies längst bestätigt ist, wäre ein weiterer Versuch von UD, ein solches Spiel außerhalb des amerikanischen Markts zum Erfolg zu fühlen, selten dumm. [4]

Upper Deck blickt damit in eine äußerst ungewisse Zukunft und ich hoffe, dass all die tollen Leute dort entweder irgendwie gehalten werden können (beispielsweise, indem man sie in andere Bereiche steckt) oder diese woanders die Erfüllung finden. [5]

Was wird aus dem WoW TCG?

Bleibt uns nun nur noch der Blick in die Zukunft. Die größte Frage hier ist, wer das TCG weiterführen wird. Spielen wir auch hier kurz ein paar Szenarien durch:

  • Blizzard macht's selbst:

    Ich muss zugeben, ich sehe in dieser Lösung kaum Nachteile. Außer möglicherweise die Tatsache, dass Blizzard sehr wenig Erfahrung im Vertrieb von TCGs hat. Allerdings ist das wohl wirklich ziemlich egal. Blizzard hat nahezu unendliche Ressourcen und kann sich ein fähiges TCG Team in Null komma nichts ins Haus holen. Sie waren von Beginn an beim Entwicklunsprozess beteiligt und wissen, wie man Ergebnisse extrem hoher Qualität erzielt.

    Das Unternehmen ist Gerüchten zufolge nicht ganz so toll, was die Kommunikation mit den Spielern betrifft, doch so wie ich das sehe, ist das teilweise auch von den WoW MMO Spielern hoch gespielt. Wenn diese nicht nach 24 Stunden eine Antwort bekommen, ist das eben direkt "scheiß Informationspolitik", doch nun ja, ich glaube in der Hinsicht sind wir alle schlimmeres gewohnt. Nichts desto trotz sollten zu diesem Punkt wohl eher ein paar erfahrenere WoW Spieler im Feedback-Thread etwas sagen.

    Darüber hinaus könnte ich mir vorstellen, dass dann die Verknüpfungen zwischen dem TCG und dem MMO noch dichter werden. Möglicherweise versuchen sich noch mehr Online-Spieler am TCG, wenn dieses noch etwas besser auf Blizzards eigenen Seiten beworben wird, usw.

    Es gibt hier also wirklich keinen riesigen Nachteil, außer möglicherweise die Zeit der "Übergabe", in der sich erstmal weniger tun könnten. Dafür wäre wohl mit dieser Lösung die Zukunft des TCGs auch langfristig gesichert.

  • Man gibt die Lizenz an Wizards of the Coast:

    Ich halte das ehrlich gesagt für leicht abwegig. Natürlich GIBT es Gründe, die dafür sprechen, beispielsweise ist WotC zweifellos der erfahrenste Vertreiber von TCGs überhaupt. Es gibt bereits einen guten Support für OP Programme, die komplette Infrastruktur besteht ebenfalls bereits und man gewinnt so wohl sogar noch an Prestige.

    Auf der anderen Seite IST das WoW TCG einfach DER Konkurrent von Magic. Und ich bin nicht überzeugt davon, dass WotC dem WoW TCG 100% seiner Aufmerksamkeit, bzw. Ressourcen schenken würde, wenn es darin nur eine Bedrohung für Magic sieht. Irgendwie also doch fragwürdig und ich gehe nicht wirklich davon aus, dass das passiert.

  • Man gibt die Lizenz an einen der anderen kleineren Spiele-Hersteller:

    Ich brauche hier nicht zwischen "Fantasy Flight Games", "Decipher" und wie sie alle heißen zu unterscheiden, denn am Ende des Tages ist das Ergebnis immer größtenteils dasselbe.

    All diese kleineren Vertreiber müssten erstmal so einige ihrer Abteilungen aufbohren. Das dauert, wie wir gerade auf eindrucksvolle Weise beim Yu-Gi-Oh! TCG sehen können. Dann fehlt noch jede Menge Infrastruktur, um eine Weltrangliste, eine Turniersoftware und all diese anderen Kleinigkeiten, die mit dem erfolgreichen Support eines TCGs einher gehen, einzuführen.

    Es ist also nicht ausgeschlossen, dass das funktioniert und geschieht, es wird nur leider eine gewisse Übergangszeit geben (die unmöglich so lange sein kann wie bei Yu-Gi-Oh!), in der wir alle ein wenig in die Röhre schauen könnten.

Und damit haben wir im Grunde auch schon die ganze Situation durch-erläutert. Wir sollten uns alle wirklich glücklich schätzen, dass Blizzard weiterhin das Spiel unterstützen will, denn das ist wohl die Firma, bei der wir am sichersten davon ausgehen können, dass sie die Behauptung auch wirklich wahr machen werden.

Für Upper Deck brechen wie gesagt schwierige Zeiten an. Nichts desto trotz sage ich an der Stelle schon mal danke für die vergangenen 3 Jahre! [6] Klar, es lief nun wirklich nicht alles glatt, allerdings hat man dort auch wirklich sehr viel in das Spiel investiert. Wir hatten extrem geile große Events wie Nationals, Dunkelmond-Jahrmärkte und Worlds und dann natürlich noch mal so richtig coole Community-G'schicht'n wie das Mondfest.

Fazit:

Das Ende der Ära Upper Deck besiegelt glücklicherweise nicht automatisch das Schicksal des WoW TCGs; vielmehr beginnt ein neues Kapitel für das fantastische Spiel. Unter dem Strich betrachtet haben wir meiner Ansicht nach 3 erfolgreiche Jahre hinter uns gebracht und jetzt gilt es eben, alles in die richtige Richtung zu lenken, um auch den Erfolg in den kommenden Jahren zu sichern. Hier ruht mein Vertrauen ganz blind auf Blizzard und ich hoffe, dass es vielen von euch auch so geht!

soul


[1] Oh, und habe ich erwähnt, dass es furchtbar ungewiss ist, ob er überhaupt entlohnt wird? Nehmen wir an, alles verhält sich so wie beim Yu-Gi-Oh! TCG, so werden die Kolumnen wohl bald (ab heute?) nicht mehr unterstützt, wodurch auch unmittelbar meine Motivation fällt, diese zu schreiben.

[2] Dies wäre die ideale Gelegenheit, ganz kurz beim Schreiben des Artikels auszusetzen, eine Arbeits-E-Mail zu beantworten und dann weiter zu schreiben...

Das habe ich daher direkt mal gemacht!

[3] kudos = Lob.

Wenn ich also an jemanden kudos gebe, dann sage ich ihm "danke", "toll gemacht", usw.

[4] Was ihr möglicherweise nicht wisst: Man hat eine extrem aufwändige Marktstudie betrieben, in der durchgespielt wurde, was mit einem auf einer Comic-Superhelden-Lizenz basierenden Spiel außerhalb Amerikas passieren würde.

Diese ergab, dass es maximal 2 Jahre halbwegs gut laufen kann und danach besser eingestellt werden sollte. Über diese Studie könnt ihr sogar ziemlich viel im Internet lesen, wenn ihr kurz nach "Vs. System" googelt.

[5] Sollte Interesse bestehen, so kann ich mal bei meinem neuen Arbeitgeber smava.de nachfragen, was hier so möglich ist...

[6] Gewissermaßen bedanke ich mich dadurch bei mir selbst... seltsames Gefühl...