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Neuigkeiten

[Suppe für den soul] Das WoW OP 2010

Einige WoW TCG Spieler fühlten sich zu Beginn der letzten Woche so, als wären sie vom Regen direkt in die Traufe gekommen. Da wartet man erst lange auf eine Ankündigung bezüglich des OP Programms für das neue Jahr und befürchtet schon das schlimmste, dann kommt sie endlich und irgendwie hat man das Gefühl, es ist doch schlimmer gekommen, als man sich ausgemalt hatte.

Doch ist es wirklich so schlimm? Ist das Format wirklich so scheiße? [1] Nun, ich muss zugeben, meine anfängliche Antipathie hat sich mittlerweile etwas gelegt. Das heißt noch lange nicht, dass ich vom neuen Format überzeugt bin, doch betrachten wir die ganze Sache etwas... nüchtern. [2]

Recap!

Rollen wir die Geschehnisse der letzten Woche noch einmal auf:

  • Der OP Schedule für 2010 wurde angekündigt!
  • Der genaue Ort und das Austragungsdatum der Worlds wurden bereits bekannt gemacht!
  • Ein neues Format für das WoW TCG wurde angekündigt!

Wow, das klingt doch eigentlich fantastisch?! Wo kam nun die ganze Aggro her, ich meine, normalerweise sollten das doch News sein, die für ganz viel Begeisterung sorgen?!

Zunächst einmal machte man den taktischen Fehler, dass man Spieler mit dem Argument "Wir kündigen unsere Pläne für 2010 etwas später an, damit wir direkt ALLES ankündigen können" vertröstete. Weil ja irgendwie doch nicht _alles_ angekündigt wurde... gut, sicherlich wurde "alles" Relevante aus der Sicht eines amerikanischen Spielers angekündigt, doch nützt das "uns" recht wenig, wir leben immerhin auf der anderen Seite des Universums. [3]

Ich mache das hier noch mal deutlich für die Leute, die im Forum nicht alles gelesen haben: Es wird auch europäische Dunkelmond-Jahrmärkte (sowie Realm Champs und alle anderen OP Programme geben). Es dauert nur etwas länger, diese zu finalisieren, daher müssen wir uns einfach noch ein wenig gedulden. Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass es wesentlich weniger als im vergangenen Jahr sein werden, denn ich glaube nicht, dass UD das WoW TCG auf dieser Seite des Ozeans fallen lassen will. Natürlich kann man diese ganzen Ankündigungen und schlechte Behandlung der Spielerschaft so verstehen, nur muss man das eben nicht. Wie letzte Woche gesagt, ich kenne die Firma, einige Dinge dauern dort einfach etwas länger und von daher wird es auch noch gute News für die europäischen Spieler geben.

Kommen wir zum nächsten Punkt: Die Worlds 2010. Diese werden in Amerika stattfinden. "Bummer", wie der Ami sagen würde... aber gut, diese Entscheidung ist (leider) nachvollziehbar. Ich versuche mich hier mal kurz zu fassen und mache das stichpunktartig:

  • Europäische Locations kosten im Schnitt 5mal mehr als vergleichbare US Locations
  • In Europa können aus rechtlichen Gründen keine Geldpreise ausgegeben werden [4]
  • Die GenCon Indy IST leider DAS Event für TCG'ler und eine Worlds auf dieser Veranstaltung IST gute Werbung für das Spiel

Ja, ich weiß, in dieser Sache zieht man sich lieber die rosarote Brille auf und stresst pauschal rum. Ich meine, mir wäre es ja auch lieber gewesen, wenn die Worlds in diesem Jahr in... Berlin gewesen wären. Oder in Stuttgart. Oder von mir aus auch in Köln. [5] Nur hat man sich halt auf die GenCon Indy festgelegt. Das ist primär nicht mal wegen der Flüge so assi, sondern aufgrund der Unterkünfte. Ich hörte nämlich, dass so einige Leute zu der Messe in das Kaff reisen, wodurch die Hotels auch alle extra-günstig sind.

Doch trotzdem, der Schritt ist nicht so unnachvollziehbar, wie einige Leute das hinstellen wollen. Ich würde hier einfach vorschlagen, wir tun uns zusammen, mieten einfach mal ein Hotel komplett an und machen dann ne deutsche Siegesparty!

So, kommen wir nun zum letzten Punkt, der mit Sicherheit für das meiste Aufsehen gesorgt hat: Wir haben ein neues Format!

Man könnte es als Unsicherheit deuten, dass David Humpherys aus der Mottenkiste geholt wurde, um das neue Format anzukündigen. Sicherlich, der Mann hat eigentlich eine ganze Menge drauf, aber wann hattet ihr zuvor das letzte Mal etwas von ihm gehört?!

Nun ja, wir wollen mal nicht den Teufel an die Wand malen und gehen erstmal davon aus, dass man sich in der R&D Abteilung von Upper Deck wirklich etwas gedacht hat, als man dieses Format entwickelte und schlüsseln es einfach mal nach und nach auf. Doch Moment, bevor ich überhaupt dazu komme, muss ich erstmal eine Frage in den Raum werfen: Brauchen wir ein weiteres Format?

Natürlich steht im vielsagenden Artikel auf der offiziellen Seite, der diese ganzen Änderungen überhaupt erst ankündigte, dass "die bestehenden Spieler" (keine Angabe bezüglich ihrer Anzahl, nicht mal eine tendenzielle Angabe im Sinne von "einige", "viele" oder "alle") nach einem neuen Format gefordert haben. Aha? Klar, hier und da gab es immer mal eine Rotations-Diskussion und natürlich gab es auch immer eine ganze Menge Leute, die vehement FÜR ein Rotation eingetreten sind, doch war das Verlangen nach einem neuen Format wirklich SO groß, dass man es auf den nächsten 3 (!) Realm Championships UND den Nationals spielen muss? [6]

Ich muss ehrlich zugeben, ich bezweifle das. Versteht mich bitte nicht falsch, ich will hier nicht wie das "Fähnchen im Wind" rüber kommen – immerhin war ich ja eine der Personen, die Block befürwortet haben und ebenfalls sagte, dass neue Formate toll sind. Nur wurde da Block als Format für EIN größeres Event (Realm Champs) angekündigt. Und nicht als das Format für _DAS GANZE JAHR_.

Womöglich gibt es ja noch Hoffnung, dass man hier ein wenig mehr Variation rein bringt und wir auch mal einen DMF im Core Format spielen dürfen und dafür... 2 (oder mehr) größere Events nicht in diesem Format. Denn man kann's einfach auch übertreiben...

Gut, akzeptieren wir also, dass sich genügend Leute über ein neues Format freuen. Stürzen wir uns jetzt endlich auf das Format. Hier mal die Regeln für Core:

  • Turnierlegal sind jeweils die letzten 3 Blöcke (sowie alle Crafted, Badge, usw.-Karten, die zu diesen gezählt werden)
  • Es handelt sich um ein Best of 1 Format – es wird also nur ein Game in einem Zeitrahmen von 30 Minuten gespielt
  • In den Tops dieser Events gibt es Best of 3 Spiele, allerdings auch hier ohne Side Deck
  • Eure "Sammlung" bezieht sich somit in diesem Format tatsächlich auf eure GESAMTE Sammlung (wobei ihr schnell auf diese zugreifen können müsst), Illidan Sturmgrimm hat also plötzlich ganz, ganz, ganz viele Ziele

Der erste Punkt ist nicht allzu wild und wird wohl schnell von allen Spielern halbwegs schnell begrüßt werden. Einmal ein Turnier zu spielen, in dem einem Magier kein MissglückenMissglücken, 1, Magier , (Outland-40U)
Sofort-Fähigkeit—Arkan

Unterbrich eine Fähigkeitskarte deiner Wahl mit Kosten 3 oder weniger.
zur Verfügung steht, einem Schurken keine ÜberraschungsangriffeÜberraschungsangriffe, 1, Schurke , (Outland-72R)
Fähigkeit—Kampf Talent

Kampf-Held erforderlich
Andauernd:
Deine Nahkampfwaffen haben +1 ANG.
Von deinem Helden zugefügter Kampfschaden kann nicht verhindert werden.
und einem Krieger kein Tödlicher StoßTödlicher Stoß, 2, Krieger , (Azeroth-145R)
Sofort-Fähigkeit—Waffen Talent

Waffen-Held erforderlich
Dein Held fügt einem Helden oder Verbündeten deiner Wahl X Nahkampfschaden zu, wobei X dem ANG einer deiner Nahkampfwaffen plus 1 entspricht. Dieser Charakter kann in diesem Zug nicht geheilt werden.
klingt erstmal gar nicht so schlecht.

Etwas weniger Begeisterung kommt dann auf, wenn man die anderen beiden Punkte liest. Best of One ist als "Lucker-Format" verschrien, da viele Spieler davon ausgehen, dass der Würfelwurf hier einen sehr viel größeren Einfluss hat als im Best of Three.

Man kann das auf unendlich viele Weisen betrachten. Ich könnte euch jetzt ganz viele Argumente aufzählen, die euch im Grunde nur vermitteln wollen: Das Side Deck ist ein wertvolles strategisches Element und es kommt einem besseren Spieler zugute. Ich bin nur faul. All diese Argumente habe ich in der letzten Woche schon hier und da angebracht, ihr habt sie womöglich schon in den Artikeln auf anderen Seiten gelesen und eigentlich kennt ihr sie auch alle schon.

Da ich ausnahmsweise mal nicht total einseitig an diese Sache ran gehen und euch von meiner Meinung überzeugen will, habe ich mich heute einfach mal an das "Zahlen lügen nicht" Motto gehalten. Genauer gesagt: Ich habe einfach mal alle Featured Matches der Deutschen Meisterschaften in unserer Coverage-Section ausgewertet und dabei gezählt, wie oft ein Spieler nach einem 0:1 Rückstand noch ein 2:1 gemacht hat (was wir meist seinem spielerischen Können sowie seinem Side Deck zuschreiben können).

Bitte überlegt euch erstmal, was ihr so schätzt. Ich sage es direkt mal dazu: Es sind 40 (!) Spiele. Diese sind auf einen Zeitraum von 3 Jahren verteilt und folglich würde ich diese Auswertung als halbwegs repräsentativ betrachten.

Fertig?

Alles klar.

  • Tatsächlich wurden 34 (!) Spiele von dem Spieler entschieden, der auch das erste Spiel gewonnen hat!
  • Lediglich 6 Spiele wurden "gedreht". [7]

Natürlich könnte die Statistik, wenn man sie für jeden Spieler einzeln betrachtet, etwas anders aussehen. Doch um ehrlich zu sein ist das ziemlich egal... denn der Aufschrei, der dieser Ankündigung folgte, las sich so, als wäre jeder Spieler der Meinung, dass dies totaler Bockmist ist. Und... nun ja, offensichtlich wird diese Änderung für einen ganz großen Teil der Spielerschaft überhaupt keinen Unterschied machen.

Klar, es könnte sein, dass Jonas 20 von 40 Spielen dreht, doch das glaube ich nicht. Vielmehr glaube ich, dass Jonas in 38 von 40 Spielen Spiel 1 gewinnt. Und dann eben in 2 von diesen 40 Spielen noch mit 2:1 besiegt werden könnte. Ich selbst bin auch davon ausgegangen, dass ich eine ganze Menge Spiele gedreht habe, doch dann habe ich mal etwas genauer überlegt und habe festgestellt, dass das nicht so wirklich stimmt. Ich gewinne zwar (gefühlsmäßig) oft mit 2:1, dann gewinne ich aber meist direkt das erste Spiel, so dass der Umstieg von Best of 3 auf Best of 1 auch für mich keinen Unterschied machen würde.

Viele andere Argumente wurden noch in den Raum geworfen. So wurde das neue Format damit verteidigt, dass nun ja mehr Runden gespielt werden. Das ist zwar an und für sich richtig, allerdings werden die 2 zusätzlichen Runden nicht den Unterschied ausgleichen, den der Wegfall von 2 Games pro Match bewirkt. Dachte ich.

Nach Auswertung dieser Statistik sehe ich auch das etwas anders. Denn wenn sowieso nur 6 aus 40 Spielen "gedreht" werden, so hat der Umstieg von Best of 3 auf Best of 1 auch nur einen relativ kleinen Einfluss. Man könnte jetzt auch noch über den Würfelwurf diskutieren und behaupten, dass jetzt häufiger der Spieler gewinnt, der den Würfelwurf gewonnen hat, doch nun ja, wenn sowieso nur ungefähr ein Achtel aller Spieler "gedreht" werden, dann ist der Würfelwurf nach dieser Änderung im Grunde genauso relevant wie zuvor.

All die Argumente, die uns sagen wollen, dass Best of 3 so viel skill-intensiver als Best of 1 ist, basieren auf der Annahme, dass eine wesentliche Anzahl von Spielen gedreht wird. Also so ein Drittel. Oder von mir aus auch ein Viertel. Doch das ist nicht der Fall. Etwas mehr als jedes achte (!) Spiel in einem Turnier wird gedreht. Das heißt, im Schnitt passiert es euch einmal pro größerem Turnier (diese haben üblicherweise so 8 oder sogar etwas mehr Vorrunden), dass ein Spiel gegen euch gedreht wird. Dafür könntet ihr auch eins gedreht haben, wodurch sich das ausgleicht. Und selbst wenn das nicht geschieht, so habt ihr zukünftig einfach eine Runde mehr, in der ihr euch einen Sieg holen und so in die Tops einziehen könnt.

An diesem Punkt angekommen, muss ich sagen, dass ich selbst überrascht bin. Denn ich bin kein Fan dieser Änderung. Ich selbst bin der Meinung, dass das Side Deck eine tolle zusätzliche strategische Komponente ins Spiel bringt. Nur ist deren Effekt offensichtlich sehr viel weniger heftig als ich bisher immer dachte. Folglich sehe ich dem neuen Format jetzt plötzlich (ja, dieses Umdenken setzte ein, WÄHREND dieser Artikel geschrieben wurde!) nicht allzu negativ entgegen.

Zudem will ich hier auch noch mal die positiven Aspekte hervorheben. So werden zukünftig beispielsweise Spieler, die auf ein exotisches Deck setzen, erhebliche Vorteile haben. Solltet ihr häufiger mal mit Stand Alones auf Turnieren angetreten sein, so wisst ihr, wovon ich spreche. So ein Deck verliert eben oft mal "gegen ein Side Deck". Decks müssen zukünftig etwas flexibler aufgebaut werden, um auch gegen "extreme Decks" gewappnet zu sein. Und gleichzeitig entsteht eine Lücke im Metagame für komplett extrem ausgerichtete Decks (möglicherweise sogar Combo-Decks), da der Gegner eben kein Spiel 2 und 3 bekommt, in dem er mit der heftigen Antwort aufwarten kann.

Einige behaupteten, dass Rush jetzt sehr viel stärker werden wird. Ich bin davon noch nicht überzeugt. Wenn beispielsweise jemand das extremste Hexendoktor Koo'zarHexendoktor Koo'zar, Horde (Gladiators-18)
Held—Troll Priester (Disziplin), Bergbau/Ingenieurskunst, 26 Gesundheit

, drehe Koo'zar um Mache bis zu drei Ressourcen deiner Wahl bereit.
-Deck baut und ich ihm eine Aegis des VerteidigersAegis des Verteidigers, 4, PaSm, (Magtheridon-1R)
Rüstung—Schild, Schildhand (1), 2 VRT

Wenn ein gegnerischer Held oder Verbündeter erschöpft wird, heilt dein Held 2 Schaden von sich selbst.
hinlege, so kann er zusammen schieben. Voraus gesetzt, sein Deck ist wirklich SO extrem. Sollte es das nicht sein, so gibt er mir Möglichkeiten, schon im Early Game etwas mehr Kontrolle zu erhalten und seine Chancen, mich einfach mal so zu überrennen, fallen wieder.

Dieses neue Format muss also nicht so pauschal schlecht sein, wie viele anfänglich dachten. Und da schließe ich mich selbst auch mal mit ein. Ich würde sagen, wir sollten ihm erstmal eine Chance geben und dann, wenn es sich wirklich als vollkommen schrecklich heraus stellt, können wir immer noch schreien. Dabei aber bitte nicht vergessen, dass ihr sowieso nur jedes achte Spiel gedreht hättet, wenn ich also zukünftig in jeder Runde die Ohren voll geheult bekomme, dass der Gegner jemanden durch den Würfelwurf besiegt hat, so werde ich immer nur "6 aus 40!!!" antworten. [8]

soul


[1] Hach, wie witzig das wäre, jetzt einfach ganz fett: "Ja und ja!!!" darunter zu schreiben.

[2] "nüchtern" klingt zwar irgendwo langweilig, so schlimm ist das aber gar nicht. Ich habe es beispielsweise ein ganzes Jahr lang nüchtern ausgehalten und das war auch halb so wild. Trotz mehrfacher Jobwechsel und so einiger anderer Dinge, die einen sonst in den Alkoholkonsum treiben.

Und natürlich wird dieser Artikel auch alles andere als langweilig!

[3] "Universum" aus Sicht eines Amerikaners.

[4] Zumindest in keinem der Länder, in dem man eine Worlds auch halten will.

[5] Da sieht man mal, wie rosa die Brille, die ich trage, tatsächlich ist.

[6] Und widerspricht es sich nicht ein wenig, dass man in dem Artikel erstmal erklärt, wie cool doch eigentlich Block Constructed ist (leider aber nur, nachdem alle 3 Sets eines Blocks veröffentlicht wurden), dann aber KEIN Event im GANZEN JAHR in diesem Format ausgetragen wird?!

[7] Davon handelte es sich bei 3 Spielen um Tops-Spiele und wiederum 2 von diesen hat Stefan Urban gedreht. Heißt konkret: Würde Best of One in den Tops gespielt werden, so wäre Stefan Urban kein Deutscher Meister geworden.

Andererseits ist die Auswertung der Tops eigentlich fast egal, denn diese werden ja auch zukünftig im Best of 3 ausgetragen (nur eben ohne Side Deck, wodurch sie eben nicht ganz vernachlässigt werden können, da sie schon wichtig für die Statistik sind).

Eines der Spiele wurde durch Time Out verloren und wäre wohl anders nicht gedreht worden (dreimal dürft ihr raten, WER sich darüber nicht so sehr freut... kleiner Tipp).

[8] Sorry an alle Fanboys, die mit der "Epic Rant" gerechnet hatten. Ich wollte sie ja starten, nur irgendwie hat mich dann die Statistik total aus den Schuhen geblasen...