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Neuigkeiten

[Suppe für den soul] Side Deck

Am vergangenen Wochenende habe ich mal wieder auf einem Realm Qualifier mitgespielt und ein anderes Deck getestet. [1] Zwar erzähle ich euch gerne etwas vom Deckbau und ich traue mir auch grundsätzlich zu, einige der Grundstrukturen für ein Deck gut legen zu können, doch wenn es um Finetuning geht, verlasse ich mich auch lieber auf die Hilfe anderer Spieler. Testen ist da üblicherweise angesagt, um herauszufinden, welche Karte sich in nur wenigen Matches bewährt hat oder – ein noch deutlicheres Signal – ständig ins Side Deck wanderte. [2]

Wie anhand dieser einführenden Erwähnung bereits deutlich werden sollte, kann das Side Deck eine sehr wichtige Rolle einnehmen. Es kann uns in Testsessions verraten, welche Karte in unserem Main Deck eigentlich keinen Platz dort verdient hat. Tatsächlich kann unser Side Deck aber noch sehr viel mehr leisten. Abhängig von der jeweiligen Ausrichtung des Side Decks sind die Aufgaben anders. Grundsätzlich unterscheide ich zwischen zwei verschiedenen Möglichkeiten des Side Deckens, auf die wir jetzt etwas näher zu sprechen kommen wollen.

Aktives Boarden = Umboarden

Mit "aktivem Boarden" meine ich, dass man die Taktik des eigenen Decks bewusst umstellt, um so den Gegner vor eine vollkommen neue Herausforderung zu stellen. Das ist beispielsweise möglich, indem man die "Wundervolt Combo" [3] ins eigene Side Deck steckt.

So könnte man gegen ein langsames Control Deck spielen und das eigene Deck fällt in etwa in dieselbe Kategorie. Allerdings ist das gegnerische Deck dann doch etwas besser im Late Game, weshalb wir uns nur wenige Chancen ausrechnen dürfen, wenn wir es unserem Gegner erstmal erlauben, in die hohen Runden zu kommen.

Packen wir jetzt noch die Combo mit ins eigene Deck, die wir halbwegs zuverlässig in Turn 6 bis 8 zünden können, haben wir unser Match-Up plötzlich unendlich plus drei verbessert. Bevor nämlich unser Gegner endgültig die Kontrolle an sich reißen und so das Match entscheiden kann, haben wir den Sack bereits zu gemacht.

Zwar klingt diese Strategie in der Theorie fantastisch, da jedoch die Größe des eigenen Side Decks allerdings stark eingeschränkt ist (lediglich 10 Karten, so dass man maximal ein Sechstel des eigenen Decks austauschen kann), ist es in der Praxis nur selten möglich, die eigene Strategie entsprechend zu verändern. Bisher ist mir noch kein Rush Deck unter gekommen, dass nach dem Boarden in ein Control gemorpht ist. Umgekehrt ist das in etwa genauso unmöglich, da einfach für so ziemlich jede Strategie eine gewisse Anzahl an Schlüsselkarten benötigt wird und diese Anzahl sehr, sehr, sehr selten weniger als 30 beträgt.

Aufgrund dieser Gegebenheiten werdet ihr euch mit dem Thema des aktiven Boardens im World of Warcraft TCG quasi nie befassen müssen. [4] Da es für weniger erfahrene Spieler zusätzlich noch mal schwieriger ist, plötzlich in einen anderen Gang zu schalten und das eigene Deck vollkommen anders zu spielen, springen wir jetzt besser mal weiter.

Reaktives Boarden

Dies ist nun die Verwendungsweise, die für bisher 99% aller WoW TCG Side Decks gilt und obwohl sie nahezu jeder nutzt, beherrschen nur maximal 10% aller Spieler die korrekte Entwicklung, bzw. Anwendung eines Side Decks. [5] Fangen wir bei Null an und überlegen wir uns zunächst, was für eine Rolle ein reaktives Side Deck ausfüllen soll:

In einem reaktiven Side Deck setzen wir möglichst auf "Silver Bullets", die die Strategie von bestimmten gegnerischen Decks, gegen die wir mit unserem Main Deck ein weniger gutes Match-Up haben, durchkreuzen können. [6] Da ich euch so gerne Geschichten erzählen und diese sowieso viel besser in der Erinnerung erhalten bleiben als irgendwelche theoretischen Erläuterungen, gibt es hier wieder mal ein Beispiel:

Oli spielt mit einem coolen Nicholas Merrick Deck gegen einen Katzen-Druiden. Das erste Game ist relativ knapp, doch irgendwie konnte MissglückenMissglücken, 1, Magier , (Outland-40U)
Sofort-Fähigkeit—Arkan

Unterbrich eine Fähigkeitskarte deiner Wahl mit Kosten 3 oder weniger.
genügend Pusher raus nehmen sowie Weldon genügend Zeit verschaffen, um so den Druiden mit eigenen Beatsticks umzuknüppeln, bevor ihm dies mit unserem Helden gelang.

In Game 2 wurden dann 4 Talisman der AllianzTalisman der Allianz, 3, KrPaSmJäSkDrPrMaHx, (Gladiators-170U)
Gegenstand—Schmuckstück (2)

, zerstöre Talisman der Allianz Zerstöre alle Fähigkeiten und Ausrüstungen, die die niedrigsten Kosten der Fähigkeiten und Ausrüstungen im Spiel haben oder diese mit anderen Fähigkeiten und Ausrüstungen im Spiel gemeinsam haben.
rein geboardet, die pure Verwüstung auf dem gegnerischen Feld anrichteten, da sie gleich mehrere Kopien von RaubtierschlägeRaubtierschläge, 1, Druide , (Azeroth-29R)
Fähigkeit—Wilder Kampf Talent

Wilder Kampf-Held erforderlich
Andauernd: Solange dein Held in Bärengestalt oder Katzengestalt ist, hat er +2 ANG, solange er angreift.
und Natur des WildtiersNatur des Wildtiers, 1, Druide , (Dark Portal-24U)
Fähigkeit—Wilder Kampf

Andauernd: Dein Held hat +1 ANG, solange er in Bären- oder Katzengestalt angreift.
im Alleingang vom Feld nehmen konnten. Der direkt im Anschluss folgende zweite Talisman der AllianzTalisman der Allianz, 3, KrPaSmJäSkDrPrMaHx, (Gladiators-170U)
Gegenstand—Schmuckstück (2)

, zerstöre Talisman der Allianz Zerstöre alle Fähigkeiten und Ausrüstungen, die die niedrigsten Kosten der Fähigkeiten und Ausrüstungen im Spiel haben oder diese mit anderen Fähigkeiten und Ausrüstungen im Spiel gemeinsam haben.
war dann der Genickbruch, da er die ganzen 2er Fähigkeiten vom Feld geräumt hat. Hier hat man also wirklich mit einer "Silver Bullet" den Sieg eingefahren.

Ähnlich erfolgversprechend könnte ein Siegel des SehersSiegel des Sehers, 6, SmDrPrMaHx, (Illidan-222R)
Gegenstand—Ring (2)

Ruf: Seher
Dein Held hat "Sabotage: Fähigkeit oder Ausrüstung".
Wenn dein Held eine Karte sabotiert, zerstöre sie.
gegen ein solches Deck wirken. Oder ein Pappy EisenbannPappy Eisenbann, 7, Allianz (Gladiators-115U)
Verbündeter—Zwerg Krieger, 2 ANG (Nahkampf), 7 Gesundheit

Beschützer
Am Ende deines Zuges kannst du eine Fähigkeit oder Ausrüstung deiner Wahl zerstören.
. Oder oder oder. You get the idea...

Bis zu diesem Teil sollte noch kein Leser ausgestiegen sein, denn diese Erkenntnisse sollten kaum einem wirklich neu sein. Etwas anders sieht es bei allen folgenden Überlegungen aus.

Wie baue ich ein Side Deck?

Mit diesen 6 einfachen Schritten wird es euch gelingen, ein Side Deck zu bauen, das den Side Decks von mindestens 80% aller anderen Spieler überlegen sein wird. [9] Ganz, ganz, ganz viele Matches, in denen sich ein besserer Spieler durchsetzt, werden über das Side Deck gewonnen. Er erkennt, was er gegen euch boarden kann und was er nicht braucht, während ihr einfach "ein wenig rumboardet". Solltet ihr häufig nach einer 1:0 Führung noch 1:2 verlieren, könnt ihr die Schuld bei euren Fähigkeiten des Boardens, bzw. eurem Side Deck suchen. Und nicht beim Kartenzieh-Glück eures Gegners!

Nachdem ich mich mit diesem letzten Satz in tiefe Depression gestürzt habe, da ich bisher noch der Meinung war, ich hatte meine Niederlage am Wochenende nur kassiert, weil ich scheiße gezogen hatte (ich führte 1:0...), muss ich jetzt mal planen, welche Lebkuchen ich mir heute kaufen werde, um meiner geplagten Seele Trost zu spenden. Ich freue mich alternativ auch über überschwängliches Lob im Feedback-Thread, dann tut ihr allerdings der deutschen Wirtschaft keinen Gefallen. [10]

soul


[1] Irgendwie ist "anderes" die einzig passende Bezeichnung. Einerseits handelte es sich um kein "neues" Deck, Mazar Decks kennen wir ja seit dem Dunkelmond-Jahrmarkt Boston, auf dem es "Stu" Wright bis ins Finale führte, andererseits handelte es sich auch nicht wirklich um ein "eigen entwickeltes" Deck, da meine Änderungen dann doch nicht riesig waren. "Angepasst" könnte man es wohl nennen, wenn es denn wirklich an irgendwas angepasst gewesen wäre.

Die Änderung, nur noch 2 Adam EternumAdam Eternum, 3, Allianz (Honor-92R)
Verbündeter—Mensch Krieger, 5 ANG (Nahkampf), 3 Gesundheit

Bezahle oder entferne eine Ehren-Marke von einer Karte, die du kontrollierst Entferne Adam aus dem Spiel. Lege ihn am Beginn des nächsten Zuges ins Spiel.
zu spielen war beispielsweise unfreiwilliger Natur, da sich die meisten meiner Adams zum Zeitpunkt des Turniers noch auf dem Weg von den USA nach Deutschland befanden. Kein Wunder also, dass man mein Deck ständig als "Haufen" beschimpfte.

[2] Wird mir überhaupt jemand Glauben schenken, wenn ich hier verbreite, dass Myriam SternenruferMyriam Sternenrufer, 4, Allianz (Betrayer-145C)
Verbündeter—Nachtelf Druide, 3 ANG (Arkan), 4 Gesundheit

Als Ziel unwählbar
Myriam fügt einem Helden deiner Wahl 5 Arkanschaden zu.
ständig ins Side wanderte?

[3] Solltet ihr diese Karten-Kombination nicht kennen: Ihr spielt RitualopferRitualopfer, 2, Hexenmeister , (Dark Portal-112C)
Fähigkeit—Dämonologie

Andauernd: Zerstöre einen Verbündeten in deiner Gruppe Dein Held fügt einem Helden oder Verbündeten deiner Wahl 1 Schattenschaden zu.
aus, mit dem ihr einen beliebigen eigenen Verbündeten opfern könnt, um dem gegnerischen Helden (oder einem gegnerischen Verbündeten) 1 Schaden zuzufügen. Dazu packt ihr noch PX-238 WinterwundervoltPX-238 Winterwundervolt, 3,   , (Winter Veil-2R)
Fähigkeit— 

Wähle einen Verbündetentyp.
Andauernd: Alle Verbündeten haben zusätzlich diesen Typ. (Beispiele für Typen sind Huhn, Dämon, Druide, Gnom und Yeti.)
und benennt "Nachtelf", so dass alle Verbündeten gleichzeitig Nachtelfen sind. Zuletzt fehlt nur noch Hohepriesterin Tyrande Whisperwind, die immer dann, wenn ein Nachtelf zerstört wird (und solange der Wundervolt liegt, ist JEDER Verbündete ein Nachtelf), ein Irrlicht ins Spiel bringt (das aufgrund des Wundervolts ebenfalls ein Nachtelf ist). Dieses könnt ihr dann wieder für RitualopferRitualopfer, 2, Hexenmeister , (Dark Portal-112C)
Fähigkeit—Dämonologie

Andauernd: Zerstöre einen Verbündeten in deiner Gruppe Dein Held fügt einem Helden oder Verbündeten deiner Wahl 1 Schattenschaden zu.
abschießen, um so eine Endlosschleife zu erzeugen, die euch üblicherweise den Sieg sichert.

[4] Anders sieht das bei anderen Spielen aus, in denen 40% jedes Decks sowieso gleich aussehen und dann noch die Größe des Side Decks intelligenterweise so gewählt wurde, dass man noch mal 40% des eigenen Decks austauschen kann. Die übrigen 20% sind dann nicht mehr allzu entscheidend, hier ist es tatsächlich möglich, mühelos umzuboarden.

[5] Ich zähle mich übrigens nicht zu diesen 10%. Zumindest bin ich niemand, der "einfach mal so" ein gutes Side Deck aus dem Ärmel schüttelt oder der nie falsche Entscheidungen beim Boarden trifft.

Auf die Nummer bin ich natürlich genauso gekommen wie auf 95% aller Nummern, die euch in meiner Kolumne an den Kopf geworfen wird: Ich habe sie geschätzt.

[6] "Silver Bullet" ist schon wieder so ein Fachbegriff, der nicht jedem geläufig sein könnte. Habt ihr allerdings in eurer Kindheit ganz viele klassische Vampir- und Werwolf-Filme geschaut (und nicht irgendwelchen Kitsch wie Twilight), so wisst ihr, dass Silberkugeln eine wirklich tödliche Waffe (gegen Werwölfe) sein können.

Genau dieselbe Wirkung erhofft man sich von "Silver Bullets" gegen bestimmte gegnerische Decks.

[7] Mit "einer Anna Kournikova" ist ein "AK" vom Poker gemeint, also "Ass + König". Das wird schnippisch häufig folgendermaßen beschrieben: "Sieht gut aus, gewinnt aber wenig."

Gleiches gilt ein wenig für die hier erwähnte Karte.

[8] Dies ist die Definition eines "übertragbaren Beispiels", denn das lässt sich auf annähernd JEDES Deck übertragen.

[9] Außer sie haben auch alle diesen Artikel gelesen und wenden das Wissen hier tatsächlich an. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt aber bei 15% (ich verweise an dieser Stelle erneut auf den zweiten Absatz der Fußnote 5).

[10] Mittlerweile ist es sogar ethisch vertretbar, Lebkuchen zu essen. Anders als ANFANG SEPTEMBER! Eine Frechheit der Lebkuchen-Hersteller, mir die Weihnachts-Vorfreude komplett zu versauen, da ich mittlerweile gar nicht mehr registriere, wann Weihnachten plötzlich wirklich mal vor der Tür steht (immerhin gibt es ja schon seit Ewigkeiten Weihnachts-Zeugs, so dass das nichts mehr Besonderes ist.

Bei dieser Gelegenheit verfluche ich direkt noch den Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz, der derzeit aufgebaut wird. Unfassbar...