Die Deutsche Meisterschaft kommt so langsam auf uns zu und spätestens nach dem Dunkelmond-Jahrmarkt Boston wird sich wohl jeder von uns daran machen, das Deck zu entwickeln, mit dem er die komplette Konkurrenz in den Boden stampfen kann. [1]
Am Anfang des Deckbaus steht immer die Idee – "Wie will ich gewinnen?", lautet die zentrale Frage und von der aus entwickelt sich dann so langsam das komplette Deck. Irgendwann stößt man auf die Frage: "OK, gegen was gewinne ich mit meinem Haufen?", und an diesem Punkt sind der Theorie klare Grenzen gesetzt. Eine Antwort sollte hier lediglich mit der Methode Testen erarbeitet werden, denn nur diese führt zu einem halbwegs aussagekräftigen Ergebnis. Wie man das am besten macht, will ich heute eigens in einem Artikel behandeln. [2]
Vorbereitung
Zunächst einmal solltet ihr ein gewisses Set-Up vornehmen. Das klingt vielleicht etwas komisch, aber besorgt euch beispielsweise einen anständigen Tisch und dazu ein paar bessere Stühle. Wenn ich bei mir auf meiner Couch sowie dem Designertisch teste, singt mir mein Rücken regelmäßig das Lied vom Tod vor. [3]
Baut euch die Decks idealerweise komplett zusammen oder nutzt Proxies. Mit Proxies meint man Karten, die andere Karten darstellen sollen. Das klingt schon wieder verwirrend, aber stellt euch einfach vor, ihr nehmt 3 Braeden NachtklingeBraeden Nachtklinge, 5, Allianz (Drums-114C)
Verbündeter—Nachtelf Krieger, 5 ANG (Nahkampf), 4 Gesundheit
Beschützer
Schattenhaftigkeit (Unangreifbar und als Ziel unwählbar, solange bereit.) in euer Test-Deck, die eigentlich Weldon BarovWeldon Barov, 5, Allianz (Drums-151E)
Verbündeter—Mensch Krieger, 5 ANG (Nahkampf), 5 Gesundheit
Am Ende deines Zuges, lege drei Arbeiter-Verbündeter-Spielsteine mit 1
-ANG / 1 Gesundheit und Beschützer ins Spiel. Am Ende des nächsten Zuges, zerstöre sie. darstellen sollen. Noch besser sind Ausdrucke der Karten, die man eigentlich spielen will, die man dann vor einer anderen Karte in die Hülle steckt. Da das alles jedoch relativ zeitaufwändig ist, scheitern schon hier einige Spieler.
Eine sehr gute Alternative ist das Testen via MWS. Diese Abkürzung steht für Magic Work Station und das ist wiederum ein Programm, mit dem man das WoW TCG auf seinem PC spielen kann. Ich wollte sowieso mal einen halbwegs ausführlichen Guide zur Installation schreiben, den liefere ich dann irgendwann nach. Für diesen Moment wird euch leider der Thread im Forum reichen müssen. Da Vorgänge wie das Mischen, der Umbau oder das Side Decken mit MWS sehr viel schneller gehen und das Wechseln der Hüllen komplett entfällt, kann eine Test-Session mit dem Programm sehr viel ergiebiger sein als der Test mit realen Karten.
Testen mit Methode
Leider testen viele Spieler viel zu oberflächlich. Da wird das neuste Rush-Deck (das man auf die Schnelle zusammen geworfen hat) gegen den Paladin-Build (der die Weltmeisterschaft 2007 gewonnen hat) in den Kampf geschickt und es gewinnt in Runde 6. Dann packt man beide Decks wieder ein und ist zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: Kilzin > > > > > > NathadanNathadan, Horde (Outland-15)
Held—Blutelf Paladin (Schutz), Bergbau/Schmiedekunst, 29 Gesundheit
, drehe Nathadan um
Falls ein Verbündeter deiner Wahl in deiner Gruppe verteidigt, entferne ihn aus dem Kampf.. Das ist eine extrem gute Methode zu testen.
NICHT!!!
SON-DERN: Der typische Anfängerfehler. Fallt nicht darauf herein und legt Listen an. Spielt dann beispielsweise 5 Spiele, in denen der Rush-Spieler anfängt. Anschließend folgen 5 Spiele, in denen der Control-Spieler anfängt. Schaut dann auf euren Zettel und lest dort ab, was der euch sagt. Häufig werdet ihr einen überdeutlichen Sieg mit einem der beiden Decks eingefahren haben und der "bleibt im Kopf hängen". So trübt ihr euer möglichst objektives Urteil und gaukelt euch selbst vor, eines der Decks wäre sehr viel stärker als das andere – insbesondere auch dann, wenn das überhaupt nicht der Fall ist.
Selbst nach diesen 10 Spielen seid ihr an und für sich noch nicht fertig. Dann folgt nämlich das Boarden. Es gibt Decks, die verlieren zwar gegen ein bestimmtes anderes Deck relativ häufig im ersten Game, doch wenn sie erstmal ins Side Deck gegriffen haben, sieht die Sache komplett anders aus. So hat Daspien gegen Talisman der AllianzTalisman der Allianz, 3, KrPaSmJäSkDrPrMaHx, (Gladiators-170U)
Gegenstand—Schmuckstück (2)
, zerstöre Talisman der Allianz
Zerstöre alle Fähigkeiten und Ausrüstungen, die die niedrigsten Kosten der Fähigkeiten und Ausrüstungen im Spiel haben oder diese mit anderen Fähigkeiten und Ausrüstungen im Spiel gemeinsam haben. meist nur ganz wenige Antworten und der gibt hier häufig im Alleingang den Ausschlag.
Bedenkt, dass ihr nach diesen bis zu 20 Spielen erst EIN Match-Up von vielen möglichen durchgetestet habt. Dann muss das nächste Match-Up folgen, also müssen erneut Decks gebaut werden. Spätestens hier werfen die meisten Spieler die Flinte ins Korn, doch wer solche Testsessions nicht durchhält, kann auch direkt seine Titelaspirationen runter schrauben.
Schritt 3
Sind die Match-Ups analysiert, muss das Deck wirklich in- und auswendig gelernt werden. Insbesondere muss man wissen, wie man es gegen ein jeweiliges Deck spielen muss. Es nützt nichts, wenn ihr Anssi Alkios Decks kurz anschaut, sagt, dass sie komisch aussehen und sie damit abhakt. Ihr müsst diese Decks studieren und begreifen, wie man sie spielt. Ich wage zu behaupten, dass die meisten Spieler, die Anssis Decks kopiert haben, nicht begreifen konnten, wie er damit so weit gekommen ist.
Habt ihr erstmal 10 Spiele damit gemacht und verstanden, welche Rolle jeder einzelnen Karte zukommt, sieht das schon wieder gänzlich anders aus. Vergesst auch nicht, das Mirror Match zu studieren, gerade dann, wenn ihr auf das voraussichtliche "Deck to Beat" setzt. Häufig muss hier anders als gegen andere Decks gespielt werden und wenn ihr das zuvor nie gemacht habt, wird euch euer Gegner mühelos auseinander nehmen. [4]
Testgruppen
Zwar kann man alle vorherigen Schritte auch im Alleingang machen, doch wirklich gut werdet ihr erst, wenn ihr euch mit euren Freunden hinsetzt und gegen diese antretet. Häufig spielen sie ein Deck anders als ihr das tun würdet und dadurch erweitert sich euer Spielverständnis. Tauscht euch aus und arbeitet so daran, das ultimative Maximum aus den Decks heraus zu holen.
Insbesondere könnt ihr auch Aufgaben innerhalb eurer Testgruppe verteilen. Beispielsweise baut dann ein Spieler das Druiden-Deck, der nächste kümmert sich um die neuste Iteration des Kil'zin-Rushs und der nächste heißt Jan und spielt gerne kleine blaue Gnom-Magier. Wenn euch erstmal die Zeit für das Einhüllen von drölf Millionen Karten erspart bleibt, kommt ihr auch schneller zu aussagekräftigen Testergebnissen und wisst, wie gut euer Deck ist.
Kopf-durch-die-Wand-Methode
Wenn man erstmal ein paar Spiele gemacht hat und in etwa weiß, wie ein Spiel läuft, kann man seinen Test auch beschleunigen. Dazu zieht ihr einfach Starthände und schaut, welche Optionen euch mit diesen zur Verfügung stehen würden. Manchmal reicht es wirklich schon, mit einem Deck 10 Starthände zu ziehen und diese ein wenig genauer zu betrachten, um zu wissen, dass diese Idee zum Scheitern verurteilt ist. Gerade wenn ihr gegen die derzeit so beliebten Counter-Magier testet, seht ihr sehr schnell, wie viele Karten euer Gegner im Schnitt unterbrechen kann. Das kann spielentscheidend sein und solltet ihr von zu vielen Karten abhängig sein, die unbedingt aufs Feld kommen müssen, damit euer Deck funktioniert, könnt ihr es wohl leider erneut in die Tonne kloppen.
So, das waren wohl die wichtigsten Punkte, die ich euch zum Thema Testen mit auf den Weg geben wollte. Ich bin wie schon gesagt auf euer Feedback gespannt, denn mit Sicherheit kennt der ein oder andere von euch noch sehr effiziente Methoden, mit denen man schneller zu guten Ergebnissen gelangt. Ich muss hier jetzt noch schnell das Thema wechseln und auf eine hervorragende Aktion aufmerksam machen.
Bring a friend, get a shirt!
Das Mastermind des Bootcamps Leipzig Nemesis hat sich wieder Mal eine hervorragende Aktion einfallen lassen: Eine Promo-Aktion, mit der man Interessierte zum WoW TCG bringen will. Das ganze läuft folgendermaßen ab: Bringt ein Spieler einen Freund mit, der sich für das WoW TCG begeistern kann, sich bisher aber nie traute, selbst mal die Karten in die Hand zu nehmen, erhalten BEIDE ein T-Shirt!
Auf diese Weise forced man den jeweiligen Interessierten direkt in die Community rein und das ist auch gut so. Der Zusammenhalt wird so direkt gefördert und er sieht, dass hinter dem Spiel noch viel mehr steckt als einfach nur das auf den Tisch knallen einiger Karten – es geht um Freundschaften, um Community!
Geht doch ruhig auch mal auf eure Turnierorganisatoren zu und fragt sie, ob sie sich eine ähnliche Aktion vorstellen können. Es muss ja nicht direkt eine T-Shirt Aktion sein, aber womöglich machen sie ein Starter locker für interessierte Freunde. Die Leipziger werden Online-Spielern beispielsweise noch eine Common Loot spendieren, die diese hoffentlich noch in höherer Anzahl anlocken kann.
Als Format bietet sich für die Anfänger-Turniere meist Sealed an, denn dann können diese trotz ihres nicht vorhandenen Kartenpools Spaß haben und direkt einen Einstieg finden. Lasst euch das ganze also mal durch den Kopf gehen und engagiert euch im besten Fall ebenfalls.
soul
[1] Alternativ kann man natürlich auch Fizzlefreeze spielen.
[2] Wobei mir das an dieser Stelle fast schon wie ein dünnes Thema vorkommt. Was wiederum zur Folge hat, dass ich den Artikel mit jeder Menge "Füllsätze" künstlich in die Länge ziehe und mir hinterher im Feedback-Thread anhören muss, ich hätte 80 Sachen vergessen. Gott, wie ich mich darauf freue!
[3] Tja, gut aussehende Möbel sind halt leider nicht immer so funktionell. Die Alternative sind besonders funktionelle Möbel, die scheiße aussehen und "Arild" oder "Hamla" heißen.
[4] Gut, außer er ist genauso schlecht vorbereitet. Da wir aber grundsätzlich ganz vorne mitspielen wollen, können wir nicht auf die Dummheit unserer Gegner vertrauen.
Oder zumindest nicht auf die Dummheit all unserer Gegner.